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  Wels in der Zeit des Nationalsozialismus

Die erste (antimarxistische) Versammlung der Nationalsozialisten in Wels fand im Jahr 1921, zwei Jahre nach Gründung der NSDAP in München, in ”Pillgrabs Liedertafelsaal” statt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland im Jänner 1933 strebten auch die österreichischen Nazis die Herrschaft an, die NSDAP wurde von der austrofaschistischen Regierung jedoch im Juni 1933 verboten. Zu Beginn des Jahres 1934 wurde in Wels eine stillgelegte Lederfabrik zu einem Anhaltelager für inhaftierte Nazis umgewandelt. Ein Putschversuch der Nationalsozialisten am 25. Juli 1934, bei dem der österreichische Bundeskanzler und Austrofaschist Dollfuss ermordet wurde, scheiterte. 13 Putschisten wurden in der Folge hingerichtet, der Nachfolger von Dollfuss wurde Kurt von Schuschnigg. Rund vier Jahre später, im Februar 1938, konnte Hitler von Schuschnigg eine Aufhebung des NSDAP-Verbotes und eine Regierungsbeteiligung der Nationalsozialisten erzwingen. Bundeskanzler Schuschnigg musste am 11. März unter Druck Hitlers zurücktreten, eine für den 13. März 1938 geplante Volksabstimmung “für ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, für ein christliches und einiges Österreich” wurde nicht mehr durchgeführt.

Am 11. März 1938 ergriffen die Nationalsozialisten ohne Gegenwehr die Macht in Österreich. In Wels wurde über dem Eingang des Bundespolizeikommissariates am Stadtplatz (der fortan ”Adolf-Hitler-Platz”heissen sollte) die Hakenkreuzfahne gehisst. Der stellvertretende Leiter des Arbeitsamtes, der Leiter der lokalen Amtsstelle der OÖ Kammer für Arbeiter und Angestellte und der Leiter des Bundespolizeikommissariates wurden verhaftet, führendes Personal des Kreisgerichtes Wels vom Dienst enthoben, Schlüsselfunktionen wurden mit Nationalsozialisten besetzt. Am 12. März erfolgte der Durchmarsch des deutschen Militärs. Boden- und Lufttruppen passierten Wels und wurden - wie in vielen anderen Städten - auch von der jubelnden Bevölkerung empfangen, um 18.50 Uhr stattete Hitler einen Kurzbesuch ab. Das Fehlen eines Fotos, dass diesen Moment dokumentiert hätte, wird in einem Buch, das vom “NS Gau Verlag” Wels herausgegeben wurde, folgendermaßen begründet: “ ...Leider spricht kein Bild davon zu uns und unseren Kindern. Für normale Aufnahmen war es schon viel zu dunkel – und eine Aufnahme mit künstlichem Lichte vorzubereiten, daran dachte in diesen Stunden gespannter Erwartung und überquellender Freude niemand. Und so mag das Fehlen eines Bildes Zeugnis sein von der restlosen Hingerissenheit aller Welser… Man vergaß, weil das Herz zu voll war.” Umso bildhafter wurde das Eintreffen Hitlers in einem Pressebericht geschildert: “… Ein brausender Orkan kündigte die Ankunft des Führerwagens
  an. Alles stürmte auf den Wagen los. Die Begleitpersonen des Führers mussten aus ihren Autos springen und dem Wagen des Führers schrittweise mühsam einen Weg bahnen. Aufrecht stand der Führer, unermüdlich grüßend, im Wagen. Unter dem grellen Schein einer Lampe zeigte das Angesicht ergriffen ernst. Nun war ja der Tag gekommen, da er, nicht wie seine Gegner es immer weismachen wollten, als “Feind”, sondern als Triumphator heimkehrte, begrüsst von Wels als Befreier …Die Menge zerriß die Absperrkette und jubelnd, mit zum Gruß erhobenen Händen lief alles zum Führerauto, das in Sekundenschnelle vollkommen umringt war…”.

Am 25. März übernahm ”Generalfeldmarschall” Hermann Göring die Patenschaft von Wels. Im Rahmen der für 10. April 1938 angesetzten “Volksabstimmung” über den Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland nützten einige Welser diese Gelegenheit, um ihrer Treue gegenüber den Nationalsozialisten Ausdruck zu verleihen, indem sie Mitbürger denunzierten. Juden waren von dieser “Volksabstimmung” ja von vornherein ausgeschlossen. Am 25. März 1938, zwei Wochen nach dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland, wurde gegen das Abstimmungsrecht von Martin Hand und seiner Frau Ida Einspruch erhoben, weil sie Juden seien. Bei Ida gab die Wahlbehörde dem Einspruch statt, weil sie “Israelitin” sei. Die beiden sowie eine weitere Verwandte (Ilse) wurden 1942 von Wien aus nach Minsk, Weißrussland, deportiert, wo sie unmittelbar nach ihrer Ankunft nach Anordnung von Reinhard Heydrich, dem Chef der Sicherheitspolizei und SS-Sicherheitsdienstes, in einem Wald bei Maly Trostinec ermordet wurden. Auch die Familie von Alois Smolka, der im Oktober 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde, wurde bereits im März 1938 denunziert. Die Einsprüche, die mit Begriffen wie “Halbjude”, “Halbjüdin” oder “Rassenschande” begründet wurden, wurden jedoch in diesem Fall von der Wahlbehörde abgelehnt. Auch im Falle dreier Kinder von Julius Berghofer, die als “Judenstämmling” bezeichnet wurden, schlug die Denunzierung fehl. Julius Berghofer selbst wurde am 8. November 1938 verhaftet und beging einen Tag später, am Tag der antisemitischen Pogromnacht, Selbstmord.

Vor der Volksabstimmung wurde mit zahlreichen großangelegten Propagandaveranstaltungen versucht, die österreichische Bevölkerung für ein “Ja” zum Anschluss zu bewegen. Am Tag der Abstimmung wurden am “Adolf-Hitler-Platz” 13 Pylonen aufgestellt, von denen jeder den Namen eines nach dem Putsch 1934 hingerichteten Nationalsozialisten trug.

In der Volksabstimmung am 10. April 1938 votierten offiziell 99,73 Prozent der ÖsterreicherInnen und 99,01 Prozent der Deutschen für den "Anschluss", in Wels stimmten 12711 Personen mit “Ja” und nur 3 Personen mit “Nein”.