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  „Nie die Augen zu vor den Schweinereien der Zeit“ (Ödon von Horvath) - Steine ins Rollen bringen

von Peter Schernhuber


Fernab von jeglicher öffentlicher Aufmerksamkeit fristete ein Gedenkstein zu Ehren des Gründers des ÖTB Ludwig Jahn jahrelang sein Dasein im Welser Volksgarten. Dieser besagte Jahn war aber nicht nur der Begründer des Turnvereins, sondern auch noch „Schriftsteller“, „Theoretiker“ und „Autor“. Das alles klingt ja eigentlich ganz nett und freundlich und mit der selbigen Miene wird er auch von vielen Turnvereinsmitgliedern bis heute geehrt. Nun aber ein kurzer Ausflug in die Schaffenswelt des Ludwig Jahn, in dessen Werken es zum Beispiel heißt: „Je reiner ein Volk, je besser; je vermischter, je bandenmäßiger“ oder „ein Volk, ein Reich“, „Wer die Edelvölker der Erde in eine einzige Herde zu bringen trachtet, ist in Gefahr, bald über den verächtlichsten Kehrricht des Menschengeschlechts zu herrschen“ . Außerdem forderte er in seinen Schriften „ die Verbannung der Ausländerei“ und die „Reinigung Deutschlands vom ausländischen Einfluss“. (Quelle: Grüne Wels: eine Untersuchung von Andreas P. Plitter: „Friedrich Ludwig Jahn und der ÖTB (Österreichischer Turnerbund)“, im Auftrag der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen“)
Ein kurzer Blick in Jahns Werke genügt also, um fest zu stellen, dass der Begründer des ÖTB auch Wegbereiter und Vorreiter des Nationalsozialismus war - und selbst Hitler zitierte Jahn
  des öfteren.

Wie gesagt stand ein Gedenkstein für genau diesen Mann jahrelang im Volksgarten der Stadt Wels, ohne dass irgendetwas passierte. Doch die braunen Flecken der Messestadt wuchsen weiter und so wurde der Stein im Frühjahr letzten Jahres vor die Turnhalle des dem ÖTB angehörigen „Welser Turnvereines“ versetzt. Heftige Reaktion einiger Mitglieder, der Welser Initiative gegen Faschismus und der Grünen brachten diese revisionistische Handlung schließlich in die Medien.

Trotz dutzender Unterschriften für die Entfernung des Steins – gesammelt von kritischen Mitgliedern des Turnvereines – und zahlreicher kritischer Presseaussendungen wurde der Stein nicht entfernt. Nach monatelangem Hin und Her wurde schließlich u. a. mit dem Bürgermeister Peter Koits die Anbringung einer Zusatztafel vereinbart.

Mittlerweile ist diese Tafel auch angebracht, jedoch ist der Inhalt eine Verhöhnung antifaschistischer Initiativen und kann nur als reine Provokation gesehen werden. Die faschistische, antisemitische Vergangenheit Jahns wird nur in einem Halbsatz mit den Worten „gelegentliche rassistische und antisemitische Ansichten“ erwähnt.

Viel schlimmer und beschämender ist es, dass es den Druck einer kritischen Zivilgesellschaft auf den „Welser Turnverein“ und die Stadt braucht, um rassistisches, antisemitisches, und faschistisches Gedankengut aufzuzeigen und eine adäquate Aufarbeitung der Vergangenheit zu gewährleisten!